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Neues Buch zur Wirtschaftsethik

Im März 2010 erscheint das neue Buch von Prof. Dr. Hardy Bouillon. Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit ist eine Abhandlung zu Grundfragen der Wirtschaftsethik. Die Grundthese des Buches ist, dass viele Themen in der Wirtschaftsethik entweder ungebührlich intensiv, unausgewogen oder selten diskutiert werden – gemessen an dem, was die Wirtschaftsethik als wissenschaftliche Disziplin leisten sollte. Wohlwissend, dass die Kriterien dessen, was man von der Wirtschaftsethik als Wissenschaft erwarten kann, umstritten sind, versteht der Autor seine Abhandlung als sein Scherflein zur Diskussion. Zu diesem Zweck generiert er eine Antwort auf eine der zentralen Fragen der Wirtschaftsethik, nämlich auf die Frage der wirtschaftsmoralischen Gerechtigkeit. Das Kernstück seiner Antwort bildet eine Definition wirtschaftsmoralisch gerechten Handelns. Sie wird abschließend als Meßlatte verwendet, an der ablesbar ist, welche einschlägigen wirtschaftsethischen Themen zu intensiv, zu unausgewogen oder zu selten Beachtung finden.

Research Director, SMC University, Vienna

Die SMC University in Wien hat Prof. Dr. Hardy Bouillon mit der Position des Research Director betraut. SMC gehört zu den führenden Online-Universitäten der Welt. Die Financial Times hat Anfang dieses Jahres eine Rangliste unter allen Anbietern von Online MBA-Programmen aufgestellt. Darin rangiert SMC in Europa auf Platz 5 und weltweit auf dem 15. Platz. Mehr dazu finden Sie unter: http://www.swissmc.ch/About_SMC/


ICER-Fellowship

Das Interational Centre for Economic Research 
(ICER) in Turin lädt Prof. Dr. Hardy Bouillon im Jahre 2009 für drei Monate ein, seine Studien zur Wirtschaftsethik als Fellow am ICER in Turin fortzusetzen. Bouillon wird der Einladung im Sommer und Herbst 2009 nachkommen. Mehr dazu lesen Sie unter: http://www.icer.it/menu/f_fellows.html


Hayek Stiftungsgastprofessur

Im Sommersemester 2009 nimmt Prof. Dr. Hardy Bouillon erneut die Hayek Stiftungsgastprofessur des Wiener Hayek Instituts wahr. Diesmal wird er an der Wirtschaftsuniversität Wien lehren. Nach Christian Watrin, Viktor Vanberg, Karen Vaughn, Charles Blankart, Bruno Frey u.a. setzt er die vom österreichischen Hayek Institut initiierte Reihe "rotierender" Gastprofessuren an Österreichs Universitäten fort. Die Hayek Stiftungsgastprofessuren dienen der Erforschung und Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mehr dazu unter: http://www.hayek-institut.at


Bouillon zur Finanzkrise I

Wege aus der Wirtschafts- und Finanzkrise:
SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT 2.0?


(Mi., 25.03.2009, 19:00 Uhr)

Eine der schwierigsten Perioden für Wirtschaft und Finanzwesen fordert dringend neue Antworten. Welche Lösungen hält die (Öko-)Soziale Marktwirtschaft dafür bereit? Wie kann das Verhältnis zwischen Staat und Bürger, öffentlicher Hand und Wirtschaft neu geregelt werden?

Podium:
Dr. Johannes Hahn, BM für Wissenschaft und Forschung
Prof. Hardy Bouillon, Hayek Stiftungsgastprofessor
Dr. Johannes Ditz, Präsident der Julius Raab Stiftung

Moderation:
Dr. Barbara Kolm, Generalsekretärin Hayek Institut 

Palais Harrach
Freyung 3
1010 Wien



Bouillon zur Finanzkrise II

In einem Kommentar zur gegenwärtigen Finanzkrise für das Wiener Hayek Institut wirft Hardy Bouillon einen Blick auf die unerfreulichen Konsequenzen staatlicher Bürgschaften. Mehr dazu lesen Sie unter: http://209.85.135.132/search?q=cache:Pjq11cEr-SMJ:www.hayek-institut.at/img/media/78/178/mediacenter178.doc%3FPHPSESSID%3Dtqlkld42m9p03ongl9kib994d6+bouillon+finanzkrise&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de


Hardy Bouillon erneut Preisrichter beim MPS Hayek Essay Contest 2008

Der Ökonom Dr. Eamonn Butler, der Rechts-wissenschaftler Prof. Dr. Suri Ratnapala und Prof. Dr. Hardy Bouillon bildeten das Preisrichterkomitee beim internationalen Hayek Essay Contest 2008, Thema: Technologie und Freiheit. Die drei besten Einsendungen wurden auf der Jahreshauptversammlung der Mont Pèlerin Society (MPS) in Tokio vom 7.-12. September 2008 vorgestellt.


Die Zukunft der Parteien in Deutschland

Prof. Dr. Hardy Bouillon wurde am 3. August 2008 um 7.38 Uhr vom Deutschlandfunk zur Zukunft der Parteien in Deutschland befragt. Ausgangsfrage war das SPD-Ausschlussverfahren gegen Wolfgang Clement. Bouillon warnte vor einem Ausschluss und hob die Bedeutung der Öffnung zu mehr Meinungen für die Zukunft aller Parteien hervor. Das ganze 10-minütige Interview kann jederzeit unter folgender Internetadresse angehört werden: http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&stream=1&/&play


Professur-Vertretung in Duisburg-Essen auch im Wintersemester 2008/9

Prof. Dr. Hardy Bouillon wurde vom Rektor der Universität Duisburg-Essen beauftragt, auch im Wintersemester 2008/9 das Amt eines Universitätsprofessors im Fach "Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie", Fachbereich Geisteswissenschaften, zu vertreten. Damit setzt Hardy Bouillon seine im vorvorletzten Semester aufgenomene Lehrtätigkeit an der Universität Duisburg-Essen fort.

Folgende Veranstaltungen bietet er dort an:

Seminar "Philosophie und Wirtschaftswissenschaft interdisziplinär":           
Das Bild des Unternehmers in Geschichte und Gegenwart

Seminar "Philosophie und Wirtschaftswissenschaft interdisziplinär":           
Wettbewerb als Prinzip gesellschaftlichen Lebens

Seminar "Philosophie und Wirtschaftswissenschaft interdisziplinär":           
Wirtschaft, Ethik und Gerechtigkeit

Examenskolloquium "Aktuelle Fragen der Wirtschaftsphilosophie"           

Grundkurs “Theorien und Modelle rationalen Entscheidens I”

Nähere, regelmäßig aktualisierte Informationen dazu finden Sie unter: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/semapp/index.xml


Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor

Am 19. Februar 2008 wurde Hardy Bouillon vom Präsidenten der Universität Trier auf Vorschlag des Dekans des Fachbereichs 1 die Bezeichnung Außerplanmäßiger Professor verliehen.


Die Zukunft der Liberalen in Deutschland

Prof. Dr. Hardy Bouillon wurde am 2. März 2008 um 7.18 Uhr vom Deutschlandfunk zur Zukunft der Liberalen in Deutschland befragt. Die FDP habe durchaus das Zeug zu einer Volkspartei, pflichtete Bouillon einem Zitat von Theodor Heuss bei. Der Kurs der eindeutigen Positionierung sei richtig. Eine der größten Herausforderungen für die Liberalen bleibe, an einer besseren Vermittlung liberaler Werte zu arbeiten. Das ganze 10-minütige Interview kann jederzeit unter folgender Internetadresse angehört werden: http://www.dradio.de/aod/html/?station=1&year=2008&month=03&day=02&page=2&


Professur-Vertretung in Duisburg-Essen auch im Sommersemester 2008

Prof. Dr. Hardy Bouillon wurde vom Rektor der Universität Duisburg-Essen beauftragt, auch im Sommersemester 2008 das Amt eines Universitätsprofessors im Fach "Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie", Fachbereich Geisteswissenschaften, zu vertreten. Damit setzte Hardy Bouillon seine im vorletzten Semester aufgenomene Lehrtätigkeit an der Universität Duisburg-Essen fort.

Folgende Veranstaltungen bot er dort an:

Grundkurs "Ethik" 

Seminar "Philosophie und Wirtschaftswissenschaft interdisziplinär":           
Moral, Mensch und Methodologie in den Wirtschaftswissenschaften

Examenskolloquium "Aktuelle Fragen der Wirtschaftsphilosophie"           

Grundkurs “Theorien und Modelle rationalen Entscheidens II”

Nähere, regelmäßig aktualisierte Informationen dazu finden Sie unter: http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/semapp/index.xml


Hardy Bouillon Preisrichter beim MPS Hayek Essay Contest 2006

Der amerikanische Historiker Prof. Dr. Ralph Raico, der australische Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Suri Ratnapala und PD Dr. Hardy Bouillon bildeten das Preisrichterkomitee beim internationalen Hayek Essay Contest 2006, Thema: Frieden durch Handel. Von den 66 Einsendungen wurden die drei besten auf der Jahreshauptversammlung der Mont Pèlerin Society (MPS) in Guatemala vom 4.-11. November 2006 vorgestellt.


Gelernter Heimatloser und Kämpfer der Freiheit

Zum 85. Geburtstag von Gerard Radnitzky am 2. Juli 2006

"Als eine grosse amerikanische Zeitung ihn einmal einen «right-wing anarchist» nannte, nahm Gerard Radnitzky es als Kompliment. Er verstand sich als Libertarian. Über seine Freundschaft mit Karl Popper und Friedrich August von Hayek hatte der international renommierte Wissenschaftstheoretiker die politische Philosophie, vor allem den klassischen Liberalismus, entdeckt. Nicht zuletzt unter dem Einfluss seines Freundes Anthony de Jasay hatte er sich jedoch von der klassisch liberalen Idee verabschiedet, der Staat – selbst in seiner minimalen Form – sei für einen funktionierenden Markt und eine freie wie friedliche Gesellschaft notwendig."

So beginnt der Nachruf auf Gerard Radnitzky, mit dem Hardy Bouillon an seinen langjährigen Lehrer und Freund erinnert. em.o. Professor Dr. Gerard Radnitzky starb am 11. März 2006, knapp 4 Monate vor seinem 85. Geburtstag. Der Nekrolog erschien am 16. März 2006 in der NZZ, Ausgabe Nr. 63, 16. März, S. 23.
"Am 2.Juli 1921 im mährischen Znaim geboren, erlebte Radnitzky die junge ČSR. Individualist durch und durch, verstand er sich im Zweiten Weltkrieg als «guter Krieger, aber schlechter Soldat» und als «altösterreichischer Kriegsgefangener» der deutschen Luftwaffe, der er zu dienen hatte. Kurz vor Kriegsende setzte er sich nach Schweden ab, wo er, nach einigen Zwischenstationen, seine Karriere als Wissenschafts-theoretiker begann. In den letzten Jahren hatte er sich mehr und mehr der Zeitgeschichte verschrieben und attackierte mit spitzer Feder und scharfer Logik die «veröffentlichte Meinung», vor allem in seinem Wohnland, der BRD, die ihm nie Heimat geworden ist.

Aus seinem zeithistorischen Interesse erwuchs auch sein letztes Buch «Das verdammte 20.Jahrhundert» (Olms-Verlag, 
ISBN: 3-487-08460-0  19,80 Euro), das er aus dem Blickwinkel eines Zeitzeugen und Beobachters der Makrogeschichte verfasst hat. Der Untertitel («Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten») offenbart seine Ambition, das Ideal der historischen Wahrheit zu wahren und die junge Generation vor jeglicher Geschichtsklitterung zu bewahren. Es war ihm nicht vergönnt, das Erscheinen dieser seiner Memoiren zu erleben. Nur wenige Tage vor Auslieferung des Buches starb Gerard Radnitzky am vergangenen Samstag in seinem Haus in Korlingen bei Trier."

Hardy Bouillon


Die Fiktion der sozialen Gerechtigkeit

Am 4. Februar 2006 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung Hardy Bouillons ganzseitigen Essay über die Fiktion der sozialen Gerechtigkeit, Darin kritisiert der Autor, daß es dem Begriff an Eindeutigkeit und Präzision mangele. "Das ist um so bedenklicher, als nahezu jede vorgeschlagene wirtschafts- und gesellschaftspolitische Änderung von der fast phrasenhaften Formel begleitet wird, man fordere diese im Namen der sozialen Gerechtigkeit", so Bouillon. (Den Text finden Sie am Ende dieser Seite.)


Festvorlesung in Salzburg

Zum Abschluß seiner Hayek-Stiftungsgastprofessur im Sommersemester 2005 hielt PD Dr. Hardy Bouillon am 26. Januar 2006 eine Festvorlesung an der Universität Salzburg, Thema: Wissen und Handeln bei Hayek. Seinem Vortrag gingen eine Grundsatzrede der EU-Kommissarin Dr. Benita Ferrero-Waldner (Bild) sowie Grußworte von Rektor O. Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger, Dekan O. Univ.-Prof. Dr. Kurt Schmoller, GD Dipl. Ing. Bergat Josef Wöhrer, Präsident der IV Salzburg, und Christoph Kraus, Vizepräsident des F.A. v. Hayek Instituts voraus. Wo? Hörsaal 230, Kapitelgasse 5-7. Wann? 18.00 Uhr


Gastprofessur an der Universität Zagreb

Im Wintersemester 2005/2006 lehrte PD Dr. Hardy Bouillon im Rahmen des Doktorandenprogramms der Graduate School of Economics and Business Wirtschaftsethik an der Universität Zagreb. Bereits in den vorangegangenen Semestern hatten ihn Gastprofessuren an andere europäische Hochschulen geführt, namentlich an die Wirtschaftsuniversität Prag und die Universität Salzburg.


Think Tank-Netzwerkaktivitäten von Hardy Bouillon in der FAZ

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. August 2005 berichtet Dr. Karen Horn über den wachsenden Einfluß marktwirtschaftlicher Think Tanks in Europa. U.a. hebt sie die Initiatorenrolle von Prof. Dr. Pierre Garello, Universität Aix-Marseille III, und PD Dr. Hardy Bouillon, Centre for the New Europe, bei der Etablierung der jährlichen European Resource Bank Meetings sowie andere Vernetzungsaktivitäten in Europa hervor.


Hayek Stiftungsgastprofessur 

Im Sommersemester 2005 lehrte PD Dr. Hardy Bouillon als Hayek Stiftungsgastprofessor an der Universität Salzburg. Nach Christian Watrin, Viktor Vanberg, Karen Vaughn und Charles Blankart setzte er die vom österreichischen Hayek Institut initiierte Reihe "rotierender" Gastprofessuren an Österreichs Universitäten fort. Die Hayek Stiftungsgastprofessuren dienen der Erforschung und Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Mehr dazu unter: http://www.hayek-institut.at und http://wwwdb.sbg.ac.at/lvvz/lva.asp?rv=280&rb=349&sem=&subm=anzeigen


Als Hayek-Stiftungsgastprofessor hatte er die Gelegenheit, an der Universität Salzburg über die Österreichische Schule der Nationalökonomie und die Theorie des Eigentums zu lehren. Außerdem konnte er nach Herzenslust in der Hayekbibliothek stöbern.
„Ein seltenes Vergnügen“, so Bouillon im Gespräch mit dem CNE Monatsmagazin, „eines, dem ich in aller Ruhe nachgehen konnte. In der Bibliothek der juridischen Fakultät gelegen, scheint Hayeks Sammlung nicht allzu viele Studenten anzulocken. Hier fand ich einiges, das ich an meiner Trierer Heimatuniversität nur über lange und langwierige Umwege hätte einsehen können. Ganz zu schweigen von Hayeks Rara, die vor 1850 erschienen sind und verständlicherweise nicht im Freihandbestand aufbewahrt werden.“


Die Fiktion der sozialen Gerechtigkeit von Hardy Bouillon


(aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2006, Nr. 30, S. 17 - Die Ordnung der Wirtschaft)

Mit kaum einem Begriff wird so viel Schindluder getrieben wie derzeit mit der Gerechtigkeit. Im Wahlkampf rüsteten die Sozialdemokraten das Wort von der "sozialen Gerechtigkeit" zum Slogan auf - jenen vagen und logisch heiklen Begriff, der eigentlich ein handelndes Subjekt voraussetzt und gerade kein Kollektiv. Beim Wähler indes hatte das Erfolg. Die Christdemokraten, die hier nicht zurückstehen wollten, gaben sich zum Jahreswechsel dann innovativ und lancierten den Begriff der "neuen Gerechtigkeit", in Analogie zu Angela Merkels Terminus der "neuen sozialen Marktwirtschaft". Der Bundeskanzlerin scheint vorzuschweben, durch mehr Freiheit auch mehr Gerechtigkeit zu erzielen. Ganz auf der Schiene der Leistungsgerechtigkeit ist bei der Union aber auch dieser Begriff wohl nicht verortet; mit nebulösen Rufen nach "Generationengerechtigkeit" und "Familiengerechtigkeit" hat der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla die Verwirrung wieder verstärkt. In seiner Grundsatzrede Mitte Januar in Frankfurt bemühte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) dann ebenfalls den von den Christdemokraten benutzten, allerdings sonst eher unüblichen und höchst auslegungsbedürftigen Begriff der "Chancengerechtigkeit". Steinbrücks Sophismus dabei indes war bemerkenswert: Gerade indem er die Chancengerechtigkeit definitorisch von der "Ergebnisgleichheit" unterschied, ließ er zugleich in einem logischen Dreisatz erkennen, daß Gerechtigkeit nach gut sozialdemokratischer Utopie eben doch weiterhin mit Gleichheit gleichzusetzen sei. Der Philosoph Hardy Bouillon sorgt in diesem babylonischen Gerechtigkeitswirrwarr für Klarheit. Den Begriff der sozialen Gerechtigkeit zerpflückt er als unpräzise, uneindeutig und in allen theoretischen Traditionen schlecht begründet. (orn.)

Selbst bei entschiedenen Bekennern zur freien Marktwirtschaft stellen sich beim Gedanken an die "soziale Gerechtigkeit" zuweilen gemischte Gefühle ein: neben der Empörung über die schamlose Verwendung eines nebulösen Kampfbegriffs auch eine gewisse Empathie und das daraus resultierende Zugeständnis, die Ergebnisse des freien Marktes bedürften ab und zu einer geringfügigen Korrektur - allerdings nur im Rahmen einer ordnungspolitisch klar umrissenen Begrenzung. Untermauert wird dieses Einlenken dogmengeschichtlich unter anderem mit dem Hinweis darauf, daß selbst Ordoliberale wie Alfred Müller-Armack im Sinne des sozialen Friedens - der sozialen "Irenik" - gewisse Angleichungen unter den am Markt erzielten Einkommen empfehlen.

Was solche Zugeständnisse noch stärker auslösen mag als ein bewußtes soziales Kalkül, dürfte das von dem Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek betonte moralische Erbe unserer Vorfahren sein. Laut Hayek hat uns die Stammesentwicklung der Lebewesen - die Phylogenese - ein Moralsystem beschert, das dem Leben der frühen Primatengesellschaften gut angepaßt war. Diese Kleingruppen hätten Sitten und Gebräuche angenommen, in denen neben dem Respekt vor Eigentum auch das Teilen ein zentraler Bestandteil gewesen sei. Noch heute, trotz Zivilisation und Anonymität der "großen Gesellschaft", sei das moralische Empfinden der prähistorischen Zeit in uns lebendig und entscheidungstragend. Die Suche nach "sozialer Gerechtigkeit" kann in diesem Sinne als natürliche Regung verstanden werden, die es aber nach Hayek zu überwinden gilt, da die anonyme Großgesellschaft unserer Zeit nach anderen Moralregeln verlangt.

Was außerdem jene, die sich fern jeder sozialdemokratischen Ideologie sehen, beim Thema soziale Gerechtigkeit zum Einlenken bewegen mag, ist die mitunter dem gesunden Menschenverstand unterstellte und an Aristoteles angelehnte These, daß der rechte Weg stets in der Mitte zweier Extreme liege, nicht aber in einem der beiden Extreme selbst. So sei weder der reine Sozialismus noch der reine Kapitalismus dem Menschen zuträglich, sondern ein wo auch immer verlaufender "dritter Weg". Daß diese These die Aristotelische Tugendlehre unzulässig auf den Bereich des Politischen ausdehnt und zudem mißinterpretiert, scheint deren Befürworter wenig zu stören. Wie auch immer: Aristoteles empfahl die Suche nach der (später so genannten) "goldenen Mitte" nur zur Ermittlung der angemessenen moralischen Position zwischen zwei gleichermaßen unbekömmlichen Extremen (zum Beispiel Großzügigkeit statt Verschwendung oder Geiz, Mäßigung statt Genußsucht oder Stumpfheit). Einer Moral für Kleingauner, die weder den Ruin des Opfers noch einen "übertriebenen" Respekt vor fremdem Eigentum, sondern Betrug und Diebstahl im kleinen Rahmen vorsieht, wollte er gewiß nicht das Wort reden.


Mangel einer Standarddefinition

Ungeachtet der gemischten Gefühle, die vom Begriff der sozialen Gerechtigkeit ausgelöst werden, darf man nicht übersehen, daß dieser als Terminus technicus inzwischen Einzug in die Gesellschaftswissenschaften gehalten hat. In dieser Rolle sind an ihn dieselben Anforderungen gestellt, die auch anderen Kernbegriffen sozialwissenschaftlicher Theoriebildung zufallen. So sollten zum Beispiel die zentralen Begriffe einer Theorie in bezug auf deren Aussagebereich hinreichend präzise und eindeutig sein, gegebenenfalls - wie der Philosoph Rudolf Carnap betonte - durch Explikata, das heißt durch präzisere Begriffe, ersetzt werden. Dies empfiehlt sich schon allein deshalb, weil eine Theorie nicht an sprachlichen Unzulänglichkeiten scheitern sollte, sondern, wenn überhaupt, nur an der Wirklichkeit.

Was den Begriff der sozialen Gerechtigkeit betrifft, so hat sich allerdings noch keine Standarddefinition herausgebildet. Einigkeit scheint nur darüber zu herrschen, daß die Verteilungsergebnisse des Marktes den Aussagebereich bestimmen. Sämtliche Thesen, die für eine bestimmte Gesellschaft in einem bestimmten Zeitraum soziale Gerechtigkeit unterstellen oder bestreiten, führen ihre Behauptung auf bestimmte Verteilungsergebnisse des Marktes zurück. Dabei wird stets ein Verhältnis zwischen der sozialen und der herkömmlichen Gerechtigkeit hergestellt - sei es ein sich gegenseitig ergänzendes oder ein begrenzendes Verhältnis. Wie auch immer, gemeinsamer Ausgangspunkt der Konzeption sozialer Gerechtigkeit ist die Annahme, daß mit der traditionellen Gerechtigkeit sich nicht alle Fragen der materiellen Gerechtigkeit beantworten lassen, die im Zuge wirtschaftlicher Transaktionen aufgeworfen werden können. Anderenfalls wäre der Begriff "soziale Gerechtigkeit" obsolet.

Gleichwohl halten viele Vertreter der Theorie sozialer Gerechtigkeit an der traditionellen Gerechtigkeitskonzeption als Grundlage zur Klärung vieler anderer materieller Verteilungsfragen weiterhin fest. Ein Grund dafür liegt wohl in der Eigenschaft des herkömmlichen Gerechtigkeitsbegriffs, mit wenigen kompatiblen Regeln zur Klärung solcher Fragen auszukommen, nämlich fremdes Eigentum zu achten und in Freiheit eingegangene Verträge einzuhalten. Wird eine der beiden Regeln bei Transaktionen verletzt, dann kommt die Restitutionsregel zum Einsatz. Sie legt fest, wie der Ausgangszustand wiederherzustellen ist. Prinzipiell ließen sich alle Verteilungsergebnisse des Marktes danach regeln, wären da nicht jene Verteilungsergebnisse, die - nach Auffassung der Vertreter einer Theorie sozialer Gerechtigkeit - in anderer Weise gerecht zu regeln sind.

Bevor man einzelne Varianten dieser Theorie betrachtet, scheint es angemessen, ein Problem anzusprechen, das mit der Idee einhergeht, die herkömmliche Gerechtigkeit sei erweiterungs- oder korrekturbedürftig. Auf dieses Problem hat Hayek hingewiesen: Was die Verteilungsergebnisse des Marktes betreffe, so könne kein Akteur dieselben hinreichend bewirken oder gar vorhersagen und folglich auch nicht beabsichtigen. Vielmehr seien sie ein Resultat, das spontan, das heißt unbeabsichtigt, aus den Interaktionen aller Marktakteure hervorgehe, die jeder für sich völlig andere, eigene Ziele verfolgten. Da im Rahmen einer individualistischen Ethik nur solche Handlungen zur Bewertung anstünden, die vom Akteur intendiert und für das Ergebnis hinreichend ursächlich seien, stelle sich die Frage der Gerechtigkeit für die spontanen Verteilungsergebnisse des Marktes erst gar nicht. Daher könne weder sinnvoll behauptet werden, der Markt sei sozial ungerecht, noch, er sei sozial gerecht. Diesem Argument kann man sich nicht entziehen - es sei denn, man nähme, explizit oder implizit, statt oder neben einer individuellen Ethik auch eine kollektive oder holistische Ethik an und die damit verbundenen methodologischen Probleme in Kauf.

Das von Hayek aufgezeigte Problem, Verteilungsergebnisse des Marktes im Rahmen einer individualistischen Ethik nicht moralisieren zu können, führt zum Grundproblem der Theorie sozialer Gerechtigkeit, das auch zugleich das Grundanliegen der Theorie ist - nämlich die Kriterien anzugeben, nach denen bestimmte Verteilungsergebnisse, die gemäß dem herkömmlichen Gerechtigkeitsverständnis gerecht sind, sozial ungerecht zu nennen wären.

Die Theorie sozialer Gerechtigkeit geht dabei von der Vermutung aus, daß die Ergebnisse des Marktes den Akteuren zu ungleichen Teilen zufallen. Daß dies so sein kann und in aller Regel auch ist, wird selbst von Kritikern der Theorie kaum bestritten. Ungleiche Verteilungsergebnisse gründen in der Natur der Knappheit und spontanen Ressourcenverteilung und sind im Rahmen der traditionellen Gerechtigkeitsidee gerecht, solange sie nicht anderweitig deren Regeln verletzen, zum Beispiel in Form von Marktzutrittsverwehrungen. Folglich wäre - wie der englische Philosoph Anthony Flew hervorgehoben hat - eine auf bloße materielle Ungleichheit gründende Umverteilung eine ungerechte Handlung im Sinne der austeilenden Gerechtigkeit, weil sie unrechtmäßig "einigen rechtmäßig erworbenes Eigentum wegnimmt, um es an andere, die dessen nicht unrechtmäßig beraubt wurden, zu transferieren".

Mit der sozialen Gerechtigkeit wird also nolens volens ein Kriterium ins Spiel gebracht, das den Schluß erlauben soll, allein eine materielle Ungleichheit der Verteilungsergebnisse könne eine Ungerechtigkeit bewirken. Allerdings halten die Vertreter der Theorie sozialer Gerechtigkeit nicht nur ein Kriterium, sondern verschiedene Kriterien bereit.

Obwohl der Begriff der sozialen Gerechtigkeit verhältnismäßig jung ist (nach Hayek ist er erst seit dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert gebräuchlich), reicht die Idee, das traditionelle Gerechtigkeitsverständnis sei unzureichend, recht weit zurück. So unterscheidet bereits Aristoteles zwischen einer ausgleichenden (kommutativen) und einer austeilenden (distributiven) Gerechtigkeit. Beide sind für Aristoteles Unterklassen der partikularen Gerechtigkeit, die sich mit dem deckt, was wir oben traditionelle oder herkömmliche Gerechtigkeit genannt haben.

Während er die ausgleichende Gerechtigkeit zur Beurteilung der Tauschhandlungen des freiwilligen und unfreiwilligen Verkehrs vorsah, reservierte er die austeilende Gerechtigkeit als Maßstab für die öffentliche "Zuerteilung von Ehre oder Geld oder anderen Gütern" gemäß dem Verhältnis, "das die Leistungen der Bürger zueinander haben". Andere Parameter wie Bedürftigkeit, Zugehörigkeit zu einer Gruppe und ähnliches spielen für ihn keine Rolle. Sie gewinnen erst in den neueren Theorien sozialer Gerechtigkeit an Bedeutung.


Freiwillige Zustimmung zur Umverteilung

Aristoteles wollte die beiden Gerechtigkeitstypen komplementär verstanden wissen. Was aber, wenn die Frage nach dem internen Leistungsverhältnis der Bürger verschiedenartig beantwortet wird? Werden die Zuteilungen von Geld und Ehre dann ausgesetzt? Oder erhält eine Auffassung den Vorzug vor der anderen? Wenn ja, welche? Nach welchem Prinzip? Würden die Zuteilungen ausgesetzt, dann wäre die Idee der sozialen Gerechtigkeit letztlich pointenlos. Erhielte eine Auffassung den Vorzug, wäre die Komplementarität aufgehoben. Diese prinzipielle Spannung zwischen der kommutativen und der distributiven Gerechtigkeit scheint Aristoteles nicht ausreichend bedacht zu haben.

Vertreter moderner Theorien der sozialen Gerechtigkeit haben meistens eine von Aristoteles abweichende Auffassung. Das gilt nicht nur mit Blick auf die Parameter der Verteilungsgerechtigkeit, sondern auch hinsichtlich der Frage, ob man die soziale Gerechtigkeit als Ergänzung oder Begrenzung der kommutativen Gerechtigkeit zu begreifen habe. Darüber versuchen einige, die prinzipielle Spannung zwischen der ausgleichenden und der austeilenden Gerechtigkeit auszuräumen. Die Allgemeingültigkeit der kommutativen Gerechtigkeit voraussetzend, wollen sie mittels vermeintlich plausibler Postulate eine Brücke zur distributiven Gerechtigkeit schlagen. Das heißt, man versucht darzulegen, warum alle Beteiligten einer etwaigen im Namen der sozialen Gerechtigkeit erforderlichen Umverteilung freiwillig zustimmen würden. Im Falle eines erfolgreichen Versuches hätte man die ausgleichende Gerechtigkeit gewahrt und die austeilende Gerechtigkeit als deren Komplement eingeführt.

Was alle Beteiligten zur freiwilligen Zustimmung führen soll, wird allerdings kontrovers diskutiert. So wird seit John Rawls und seiner Theorie der Gerechtigkeit von vielen behauptet, daß alle Beteiligten unter dem Schleier der Unkenntnis, das heißt unter Mißachtung ihrer tatsächlichen individuellen Lage und Eigeninteressen, einer bestimmten Umverteilung beipflichteten. Andere wiederum glauben, die Neigung der Menschen zur Übereinkunft führe sie einhellig zur Auffassung, eine bestimmte Redistribution sei unabweisbar (so der amerikanische Philosoph Thomas Scanlon). Eine Gruppe um den englischen Sozialphilosophen Brian Barry meint, eine gewisse Umverteilung könne von allen unparteiisch gutgeheißen werden.

All diesen Auffassungen ist eines gemeinsam: Sie nennen zwar (unterschiedliche) Bedingungen, unter denen eine Redistribution Einstimmigkeit unter allen Beteiligten erzielen könnte. Sie erbringen aber nicht den Nachweis, daß diese Bedingungen in unserer Welt erfüllt sind. Sie verweisen nur auf fiktive, nicht aber auf reale Zustimmung unter den Beteiligten. Mehr noch: Sie postulieren ein Menschenbild, das - wie Antony Flew kommentierte - den bewährten empirischen Befunden zuwiderläuft: Menschen neigten nun einmal dazu, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und sie fremden, divergierenden Interessen vorzuziehen. In der Kenntnis und im Bewußtsein unserer Interessen seien wir außerstande, in Unkenntnis unserer Interessen, unparteiisch oder vorrangig harmoniebedürftig zu entscheiden. Der Schleier der Unkenntnis setze Zombies voraus, aber keine lebenden Individuen.

Wie dem auch sei, den genannten Theorien sozialer Gerechtigkeit ist gemein, daß ihre Vertreter nicht alle Verteilungsergebnisse des Marktes, die unter Einhaltung der kommutativen Gerechtigkeit eintreten, prinzipiell anzweifeln und daß sie die austeilende Gerechtigkeit als Ergänzung zur ausgleichenden Gerechtigkeit verstanden wissen wollen. Hierin unterscheiden sie sich von anderen Verteilungstheorien, welche die Legitimität der Verteilungsergebnisse grundsätzlich bezweifeln und die distributive Gerechtigkeit als Legitimierung der geforderten Verteilungskorrekturen einführen.

Die Vertreter jener Auffassung - zum Beispiel die Philosophen Joel Feinberg und James Griffin - argumentieren dabei, daß jeder Gütererwerb, jede Markttransaktion bestimmte gewachsene Güter (zum Beispiel Traditionen, Sitten, Gebräuche und ähnliches) nutze, die allen Mitgliedern der Gesellschaft gleichermaßen gehörten. Wer mehr erwerbe als andere, nutze diese Güter des gemeinsamen "Pools" mehr als andere. Daher sei es recht und billig, daß er die anderen wegen seines höheren Individualnutzens "entschädige" und damit das Marktergebnis korrigiere. Täte er dies nicht, dann mißachtete er das (Mit-)Eigentum der anderen. Und da nun mal keine Markttransaktion ohne partielle Nutzung der Poolgüter stattfinde, sei jedes unkorrigierte Verteilungsergebnis ungerecht - ungeachtet der Tatsache, daß die Marktakteure im Sinne herkömmlicher Gerechtigkeit beanstandungslos gehandelt hätten.


"Poolgüter" als Eigentum der Gemeinschaft

In dieser Konzeption werden Umverteilungen quasi als Mautgebühren für Poolgüter interpretiert und gerechtfertigt. Die Weiterleitung dieser Gebühren an die übrigen Mitglieder der Gemeinschaft dient dabei strenggenommen nicht der Redistribution, sondern der Restitution. In jeder einseitigen Mehrnutzung von Gemeinschaftsgütern kann eine Lädierung des (Mit-)Eigentums aller anderen erblickt werden. Solche Lädierungen wären nach den Regeln der herkömmlichen Gerechtigkeitskonzeption zu ahnden.

Die Interpretation von Poolgütern als Mautgüter erscheint auf den ersten Blick plausibel - unter anderem deshalb, weil die Entrichtung von Mautgebühren mit der traditionellen Gerechtigkeitskonzeption verträglich und die Idee der nutzungsabhängigen Mautgebühren eine einleuchtende ist. Gehört zum Beispiel ein Tunnel allen und wachsen dessen Unterhaltskosten in Abhängigkeit von der Nutzung, dann ist es angemessen, jeden Nutzer gemäß seiner Nutzungsfrequenz zur Kasse zu bitten.

Die Behandlung der Poolgüter als Mautgüter enthält jedoch einen gravierenden Konstruktionsfehler. Dieser gründet in der Natur der Poolgüter an sich. Diesen wird irrigerweise unterstellt, Eigentum der Gemeinschaft zu sein. Traditionen, Sitten, Gebräuche sind jedoch bestenfalls im metaphorischen Sinne "Mautgüter". Ihrer Entstehung geht keinerlei Absprache oder Absicht unter den Urhebern voraus, wie das für Mautgüter der Fall ist. Poolgüter entstehen spontan, das heißt, sie sind positive Nebenwirkungen - Externalitäten - früherer Handlungen oder Tauschakte, deren Rechnungen längst beglichen sind oder unentgeltlich und ohne Anspruchsrechte, die daraus erwachsen könnten, geleistet wurden. Sie gehören also nicht allen, sondern niemandem, wie der ungarischstämmige Sozialphilosoph Anthony de Jasay zu Recht betont.

Außerdem führt die Pooltheorie zu einem Ergebnis, das mit ihrer ursprünglichen Umverteilungsintention wohl kaum in Einklang steht: Anders als es für die meisten Privat- oder Gemeinschaftsgüter der Fall ist, nimmt der Nutzen gewachsener Poolgüter durch Gebrauch mehr zu als ab. Da die Nutzung solcher Poolgüter den Wert derselben mehrt, wäre, per impossibile, eine Restitution jener Personen notwendig, die mehr zur Wertsteigerung der Poolgüter beitragen. Anders formuliert: Nur eine Umverteilung von den behäbigen zu den eifrigen Marktakteuren wäre legitimiert, nicht aber eine Redistribution in umgekehrter Richtung. Es bedarf wohl kaum hellseherischer Qualitäten, um zu prognostizieren, daß dieses Ergebnis von den Gründern der Pooltheorie kaum gutgeheißen würde.

Aufgrund all der genannten Differenzen und Probleme lassen die hier dargestellten sozialphilosophischen Theorien den Schluß zu, daß der in ihnen Anwendung findende Begriff "soziale Gerechtigkeit" alles andere als eindeutig und präzise ist. Jedwede sich der empirischen Überprüfung stellende Theorie zur sozialen Gerechtigkeit muß angesichts dieses Ergebnisses als äußerst bedenklich erscheinen. Und jegliche sich auf eine solche Theorie berufende Prognose zu den passenden Maßnahmen, mit denen soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft schlechthin oder in Teilen derselben herbeigeführt werden kann, sollten wir als höchst abenteuerlich erkennen. Das ist um so bedenklicher, als nahezu jede vorgeschlagene wirtschafts- und gesellschaftspolitische Änderung von der fast phrasenhaften Formel begleitet wird, man fordere diese im Namen der sozialen Gerechtigkeit.


Kastentext: Philosoph und Trainer

"Die soziale Gerechtigkeit ist ein moralisches Prinzip der Kleingruppe, das in der anonymen Großgesellschaft nicht adäquat funktioniert", warnte der Philosoph Hardy Bouillon schon vor einigen Jahren in dieser Zeitung, in Anlehnung an den österreichischen Ökonomen und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek. Der Trierer Wissenschaftler verweist zudem darauf, daß der unscharfe Begriff der sozialen Gerechtigkeit seiner ursprünglichen Bedeutung längst entfremdet ist. Für den griechischen Philosophen Aristoteles, bis zu dem sich die Idee, das traditionelle Gerechtigkeitsverständnis gehöre um eine gesellschaftliche Komponente aufgestockt, zurückführen läßt, ist die Leistung einer Person die Meßlatte für die ihr zu erweisende soziale Gerechtigkeit; die Bedürftigkeit oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe spielt bei der Festlegung der aristotelischen Verteilungsgerechtigkeit keine Rolle. Zudem muß für Umverteilungen die Zustimmung der Geber vorhanden sein. Das Leistungskriterium wie auch das Freiwilligkeitskriterium sind den heute geläufigen Theorien der sozialen Gerechtigkeit allerdings völlig abhanden gekommen.

Der 45jährige, stets ausgeglichene, scharf logisch denkende und dabei äußerst humorvolle gebürtige Saarländer lehrt politische Philosophie an der Universität Trier und nimmt seit Jahren diverse Gastprofessuren wahr. Zudem ist er seit 1993 als Unternehmensberater und Kommunikationstrainer selbständig. Daneben amtiert er als "Head of Academic Affairs" des Brüsseler "Centre for the New Europe", eines privaten Think Tank. (orn.)













































 
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